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Beitrag
#1
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Satansbraten ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Gruppe: Members Beiträge: 531 Userin seit: 05.07.2010 Userinnen-Nr.: 7.520 ![]() |
Guten Morgen.
Ich bin gerade über einen Artikel auf den Onlineseiten der ARD gestoßen, oder vielmehr eine kurze Umfrage. Natürlich nicht repräsentativ, aber Frau gibt ja ganz gerne ihre Meinung ab. Im Grunde hatten wir das Thema schon einmal und auch da habe ich drüber geschrieben (pränatale Diagnostik etc). Jetzt soll also ein Bluttest bei noch Ungeborenen zeigen, ob das Kind Trisomie 21 hat. Und dann, so steht es auf der Seite, "solten Frauen entscheiden, ob sie sich die Betreuung zutrauen." Was haltet ihr davon? Natürlich traue ich mir die Betreuung meines eigenen Kindes zu, egal ob es das DownSyndrom hat, oder grün wie ein Marsmensch ist, oder oder oder.... Oder findet ihr das gerechtfertigt? Ist das nicht radikale Selektion und Diskriminierung? |
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Beitrag
#2
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ausgewilderte Großstadtpflanze ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Gruppe: Members Beiträge: 2.096 Userin seit: 24.10.2007 Userinnen-Nr.: 5.165 ![]() |
Und außerdem bin ich sicher, dass nicht mehr Frauen als bisher eine Schwangerschaft mit einem Fötus mit Trisomie21 abbrechen lassen würden, nur weil es nun einen Bluttest gibt, der Sicherheit bringen kann. Da stimme ich dir zu. Eine Schwangerschaftsabbruchquote bei Trisomie21-Diagnose von derzeit ca. 90% wird sich wohl auch nach Einführung des Bluttests kaum toppen lassen. Und ich stimme auch im Wesentlichen deinen sonstigen Ausführungen zu, die ich mal hiermit zusammenfassen möchte: Was sagt es denn aus über die gesellschaftliche Wahrnehmung des "Down-Syndroms", wenn ein Riesenaufschrei gemacht wird, wenn es um Bestrebungen geht, Kinder "nach Maß" zu "züchten", aber bei Trisomie21 gewissermaßen eine Ausnahme eingeräumt wird. Es sagt genau das aus, was ich schon beschrieben habe: dass diese Menschen als Behinderte, als nicht vollwertige Mitglieder der Gesellschaft betrachtet werden. Und genau deshalb verstehe ich die Frauen, die vor diesem Hintergrund eben kein Kind mit Down-Syndrom gebären wollen, ja auch so gut. Grade weil durch diese Bewertung schon klar ist, dass es überdurchschnittlich wahrscheinlich zu großen Problemen kommen wird, wenn es darum geht, dem Kind zu einem maximal selbstbestimmten Leben verhelfen zu wollen. Dazu ist unsere Gesellschaft noch nicht bereit. Und solange das so ist, kann ich mich einfach nicht über Frauen empören, die diesem Umstand Rechnung tragen mit ihrer Entscheidung. Ich habe mich in meinen Äußerungen nicht über abtreibende Frauen empört, ganz im Gegenteil. Aber ich empöre mich über unsere Gesellschaft. Und die Pessimistin in mir, sagt, dass das "noch" in deinem Satz ("Dazu ist unsere Gesellschaft noch nicht bereit.") übertrieben optimistisch ist. Ich habe eher den Eindruck, dass die Entwicklung "gesamtgesellschaftlich" dahin gehen wird, in Kauf zu nehmen, dass aus vielen individuellen Schwangerschaftsabbruch-Entscheidungen faktisch eine "gesamtgesellschaftliche" Selektion entsteht, als in kostspielige "Behinderungs-"/Nachteilsausgleichsmaßnahmen zu investieren. Nun mag die Medizinerin zurecht einwenden, dass ich dies unmöglich dem Test an sich anlasten kann (der ja in der Tat sicherer ist als die vorherigen Methoden). Aber den von mir genannten Diskussionspunkt aus Anlass der (inzwischen übrigens rechtlich zugelassenen) Einführung dieses Tests noch einmal aufzugreifen, fände ich "gesamtgesellschaftlich" einfach mal wichtig. Es kann doch nicht das Ende der Diskussion sein, zu sagen: Die Gesellschaft ist eben so. Und deswegen ist es ok, wenn Föten abgetrieben werden. Ich vermisse da irgendwie den Aufschrei der "ungeborene-Leben-Schützer" und ein "Das kann so alles nicht sein. Wir müssen dringend unsere Gesellschaft ändern!" Diese öffentliche Diskussion bleibt aber aus. Und das ärgert mich. |
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Beitrag
#3
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a.D. ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Gruppe: Members Beiträge: 8.380 Userin seit: 24.08.2004 Userinnen-Nr.: 5 ![]() |
Aber ich empöre mich über unsere Gesellschaft. Und die Pessimistin in mir, sagt, dass das "noch" in deinem Satz ("Dazu ist unsere Gesellschaft noch nicht bereit.") übertrieben optimistisch ist. Ich habe eher den Eindruck, dass die Entwicklung "gesamtgesellschaftlich" dahin gehen wird, in Kauf zu nehmen, dass aus vielen individuellen Schwangerschaftsabbruch-Entscheidungen faktisch eine "gesamtgesellschaftliche" Selektion entsteht, als in kostspielige "Behinderungs-"/Nachteilsausgleichsmaßnahmen zu investieren. Das ist es, was ich schon seit Tagen hier beitragen wollte, aber nicht in Worte gefasst bekam. Danke, PikSieben. Es wird ja gesamtgesellschaftlich eine Wahl getroffen. Grob gesprochen: Wird das endliche Geld, das zur Verfügung steht, zur Förderung der Entwicklung solcher Tests verwendet, oder wird es dazu verwendet, es Behinderten und ihren Angehörigen im Leben leichter zu machen? Ersteres ist - zynisch gesagt - vermutlich ökonomisch gewinnbringender. Eine Frau, die ein behindertes Kind nicht austrägt, kann voll zur Produktivität der Gesamtwirtschaft beitragen, während die Mutter eines behinderten Kindes eher Ressourcen bindet. Darum habe ich Verständnis für jede einzelne Frau, die das in Anspruch nimmt, was möglich ist. Ich weiß nicht, wie ich entscheiden würde, wäre ich selbst betroffen. Aber das Gesamtbild verursacht mir eher eine unangenehme Gänsehaut. |
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Beitrag
#4
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ausgewilderte Großstadtpflanze ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Gruppe: Members Beiträge: 2.096 Userin seit: 24.10.2007 Userinnen-Nr.: 5.165 ![]() |
Aber ich empöre mich über unsere Gesellschaft. Und die Pessimistin in mir, sagt, dass das "noch" in deinem Satz ("Dazu ist unsere Gesellschaft noch nicht bereit.") übertrieben optimistisch ist. Ich habe eher den Eindruck, dass die Entwicklung "gesamtgesellschaftlich" dahin gehen wird, in Kauf zu nehmen, dass aus vielen individuellen Schwangerschaftsabbruch-Entscheidungen faktisch eine "gesamtgesellschaftliche" Selektion entsteht, als in kostspielige "Behinderungs-"/Nachteilsausgleichsmaßnahmen zu investieren. Das ist es, was ich schon seit Tagen hier beitragen wollte, aber nicht in Worte gefasst bekam. Danke, PikSieben. Es wird ja gesamtgesellschaftlich eine Wahl getroffen. Grob gesprochen: Wird das endliche Geld, das zur Verfügung steht, zur Förderung der Entwicklung solcher Tests verwendet, oder wird es dazu verwendet, es Behinderten und ihren Angehörigen im Leben leichter zu machen? Ersteres ist - zynisch gesagt - vermutlich ökonomisch gewinnbringender. Eine Frau, die ein behindertes Kind nicht austrägt, kann voll zur Produktivität der Gesamtwirtschaft beitragen, während die Mutter eines behinderten Kindes eher Ressourcen bindet. Darum habe ich Verständnis für jede einzelne Frau, die das in Anspruch nimmt, was möglich ist. Ich weiß nicht, wie ich entscheiden würde, wäre ich selbst betroffen. Aber das Gesamtbild verursacht mir eher eine unangenehme Gänsehaut. Danke für's Verstehen. Deine Formulierung ist deutlicher als ich es zu sagen gewagt habe. Ich teile deine Sorge. |
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Vereinfachte Darstellung | Aktuelles Datum: 03.04.2025 - 07:50 |